Saarbrücken und Berlin, 5. Juli 2026. Der Europaverband der Selbständigen – Deutschland e. V. begrüßt die im „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ der Koalition vorgesehenen Maßnahmen zum Bürokratieabbau und zur Beschleunigung von Verwaltungsverfahren. Bei den zentralen Belastungen kleiner Unternehmen, insbesondere den Lohnnebenkosten und Energiepreisen, bleibt das Programm aus Sicht des Verbandes jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück.
„Weniger Berichtspflichten, verbindliche Fristen und einfachere Verfahren können Selbstständige und kleine Unternehmen spürbar entlasten. Ein Aufschwungprogramm muss aber auch dort ansetzen, wo die Betriebe finanziell am stärksten unter Druck stehen“, erklärt ESD-Präsident Timo Lehberger.
Positiv bewertet der ESD insbesondere die geplante Beweislastumkehr bei bundesrechtlichen Berichtspflichten, die Genehmigungsfiktion nach vier Monaten und die schnellere Erteilung von Steuernummern. Auch flexiblere Befristungsmöglichkeiten können Einstellungen bei unsicherer Auftragslage erleichtern.
Zu kurz greift das Programm dagegen bei den Lohnnebenkosten. Die Stabilisierung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung verhindert nicht, dass die gesamte Sozialabgabenbelastung weiter steigen kann. Auch bei den Energiepreisen fehlt eine spürbare und dauerhafte Entlastung kleiner und mittlerer Unternehmen.
Kritisch sieht der Verband zudem Regelungen, die tarifgebundene Unternehmen bei Sonn- und Feiertagszuschlägen oder bei gesetzlichen Erleichterungen besserstellen könnten. Nicht tarifgebundene kleine Betriebe dürfen bei gleichen Leistungen nicht mit höheren Abgaben belastet werden.
Weitere Nachbesserungen fordert der ESD unter anderem bei Minijobs, der Altersvorsorge Selbstständiger, beim Datenschutz, im Lieferkettenrecht und bei der steuerlichen Förderung von Handwerkerleistungen. Seine ausführliche Bewertung und konkrete Forderungen hat der Verband in einem Positionspapier zum „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ zusammengefasst. Das Positionspapier ist unter https://esd-ev.de/positionen abrufbar.
„Die Richtung stimmt zwar, aber für Selbstständige und kleine Betriebe springt bei diesem Reformpaket einfach zu wenig heraus“, erklärt Lehberger abschließend.